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Ein Beitrag von RA André Schenk LL.M.Eur.

Gemeinden betreiben häufig in Eigenregie verschiedenste Veranstaltungsorte. Hierzu gehören unter anderem neben Märkten, Kulturzentren und Stadthallen die gemeindeeigenen Sporthallen.

Für diese Veranstaltungsorte haben die Gemeinden als erstverantwortliche Eigentümerin der Sporthalle verschiedene Verkehrssicherungspflichten und müssen Zuschauer wie auch Sportler vor Unfallgefahren bewahren.

Das OLG Hamm (Urteil vom 18. Februar 2003, Az: 9 U 166/02 ) hatte darüber zu entscheiden, ob eine Gemeinde, die ein Sporthalle betreibt, in der unter anderem Basketball gespielt wird, für Verletzungen eines Basketballers haftet. Der 14 jährige Sportler hatte sich nach einem Korbwurf an den Korb gehängt (Dunking). Hierbei brach der Korb ab, wodurch sich der Spieler nicht unerhebliche Verletzungen zuzog.

Nach Auffassung des Gerichts verletzt die Gemeinde die ihr obliegenden Verkehrssicherungspflichten, wenn sie keine Vorkehrungen gegen Unfälle beim Dunking trifft.

Wörtlich führten die Richter aus:

„Zwar bestand eine Abbruchgefahr von Korb und Brett praktisch nur dann, wenn man sich – wie der Kläger – an den Korb hängte. Selbst wenn man aber dergleichen als bestimmungswidrig ansieht, so schließt dies eine diesbezügliche Sicherungspflicht nicht aus. Denn in der Rechtsprechung ist anerkannt, daß Verkehrssicherungspflichten auch die Verhütung von Gefahren zum Gegenstand haben, die aus unbefugtem oder mißbräuchlichem Verhalten entstehen, wenn die Gefahr zweckwidriger und dadurch unfallträchtiger Benutzung groß ist und dem Sicherungspflichtigen Vorkehrungen gegen die mißbräuchliche Nutzung möglich und zumutbar sind (BGH NJW 1980, 1745; VersR 1975, 87; OLG Celle VersR 1984, 46). Im Streitfall war die Gefahr des unfallträchtigen Anhängens an den Basketballkorb vor dem Hintergrund des in nahezu jedem Basketballspiel praktizierten Spielzuges des “Dunking”, bei dem der Spieler beim Korbwurf seine Hände oberhalb des Basketballringes hat, unübersehbar groß. Auf der anderen Seite wäre es ohne großen Aufwand möglich und auch zumutbar gewesen, vor der nicht auszuschließenden Gefahr eines Abbrechens des Basketballkorbes für den Fall eines Anhängens deutlich zu warnen, um zu verhindern, daß insbesondere Jugendliche ihren vermeintlichen Vorbildern gedankenlos nacheifern mochten.“

Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch, dass dem jugendlichen Sportler eine 50 %-prozentige Mitschuld an seinen Verletzungen zugewiesen wurde.

Wörtlich führten die Richter aus:

„Als zum Zeitpunkt des Unfalls 14-jähriger Jugendlicher konnte er erkennen, daß das Festhalten an der Basketballkorbaufhängung die Gefahr eines Zusammenbruchs des Gestells barg, welche mit dem Körpergewicht des Spielers und der Dauer des Anhängens stieg. Wenn er auch mangels gegenteiliger Hinweise wegen der weiten Verbreitung eines derartigen Spielverhaltens nicht sicher wissen mochte, daß das Gestell seiner Belastung nicht standhalten werde, so durfte er auf der anderen Seite auch nicht ohne weiteres auf die Sicherheit der Konstruktion vertrauen. Wenn er sich ohne sichere Kenntnis von der Standfestigkeit des Gestells mit seinem ganzen Körpergewicht an den Korb angehängt hat, hat er gegen die ihm im eigenen Interesse zur Schadensverhütung obliegende Eigensorgfalt verstoßen.“